Erhaltungsgrade von Münzen
Die Erhaltung einer Münze ist neben ihrer Seltenheit der wichtigste Faktor für ihren Wert. Doch wie bewertet man den Zustand einer Münze, und was bedeuten die verschiedenen Erhaltungsgrade?
Münzen vs. Medaillen
Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Münzen und Medaillen unterschiedlich betrachtet werden müssen. Münzen waren Zahlungsmittel – sie gingen durch viele Hände und waren dem Alltag ausgesetzt. Medaillen hingegen wurden oft als Sammlerstücke hergestellt und blieben häufig in geschützter Umgebung.
Frühere Sammler durchbohrten, befestigten oder fassten Münzen manchmal, um sie als Schmuck zu tragen. Restaurierungsversuche im 20. Jahrhundert versuchten, solche Münzen in ihren Originalzustand zurückzuversetzen – mit unterschiedlichem Erfolg.
Restaurierung vs. Herstellungsfehler
Es ist wichtig, zwischen späteren Veränderungen und Herstellungsmerkmalen zu unterscheiden:
- Wertmindernde Veränderungen: Polierungen, zugefüllte Löcher, Henkelspuren
- Produktionsbedingte Merkmale: Ungleichmäßige Ränder, schwache Prägungen, Doppelschläge
Da die Münzherstellung früher Handarbeit war, ist jede antike Münze ein Unikat. Gewichtsjustierungen, Randfehler oder Doppelprägungen gelten als charakteristisch und mindern den Wert nicht.
Die europäischen Erhaltungsgrade
In Europa haben sich folgende fünf Erhaltungsgrade etabliert:
1. Polierte Platte (PP)
Eine besondere Herstellungsart für Sammlermünzen. Die Prägestempel werden poliert, was einen spiegelnden Hintergrund erzeugt. Diese Münzen waren nie für den Umlauf bestimmt und zeigen höchste Qualität.
2. Stempelglanz (ST)
Münzen in Stempelglanz sind unzirkuliert – sie haben niemals am Zahlungsverkehr teilgenommen. Alle Details sind scharf, es gibt keine sichtbaren Abnutzungserscheinungen. Dies ist die höchste Erhaltung für Umlaufmünzen.
3. Vorzüglich (VZ)
Bei vorzüglich erhaltenen Münzen sind nur minimale Gebrauchsspuren erkennbar – leichte Kratzer oder minimale Abnutzung an den höchsten Stellen des Reliefs. Alle Details bleiben jedoch klar sichtbar.
4. Sehr schön (SS)
Diese Münzen waren längere Zeit im Umlauf. Die Abnutzung ist deutlich erkennbar, insbesondere an den erhabenen Partien. Die Grundstrukturen und Hauptmotive sind aber noch gut zu erkennen.
5. Schön (S)
Münzen der Erhaltung "schön" waren viele Jahre im Umlauf. Die Abnutzung ist stark, Bilddarstellungen sind teilweise nur noch schemenhaft erkennbar. Diese Erhaltung ist nur bei sehr seltenen Münzen sammelwürdig.
Zwischenstufen
In der Praxis werden oft Zwischenstufen verwendet, um die Erhaltung präziser zu beschreiben:
- Stempelglanz-/vorzüglich (ST-VZ): Fast perfekt, minimale Berührungsspuren
- Vorzüglich+ (VZ+): Überdurchschnittlich für diese Kategorie
- Vorzüglich-/sehr schön (VZ-SS): An der Grenze zwischen beiden Stufen
Der Einfluss auf den Wert
Der Unterschied zwischen "sehr schön" und "vorzüglich" kann bei begehrten Münzen den Preis verdoppeln oder sogar verdreifachen.
Die Erhaltung hat einen enormen Einfluss auf den Sammlerwert. Eine seltene Münze in "Stempelglanz" kann ein Vielfaches einer identischen Münze in "sehr schön" wert sein. Deshalb lohnt es sich, beim Aufbau einer Sammlung auf bestmögliche Erhaltung zu achten.
Professionelle Bewertung
Die korrekte Einschätzung der Erhaltung erfordert Erfahrung und ein geschultes Auge. Wenn Sie unsicher sind, wie Ihre Münzen einzustufen sind, helfen wir Ihnen gerne mit einer professionellen Bewertung.
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